Digitales Ehrenamt - für eine starke Zivilgesellschaft in Rheinland-Pfalz

 

Worum geht es?     ↓Ideenwettbewerb "Ehrenamt 4.0."     ↓Digitalkongress "Ehrenamt 4.0."

 

Ehrenamt 4.0. Worum geht es?

Die Förderung des Ehrenamtes gehört zu den politischen Schwerpunkten der Landesregierung von Rheinland-Pfalz mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Unser Land ist deutschlandweit an der Spitze der Bundesländer beim ehrenamtlichen Engagement. Mehr als die Hälfte aller Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer sind ehrenamtlich aktiv!

Mit der Unterstützung des digitalen Ehrenamtes geht die Landesregierung neue Wege zur weiteren Stärkung der Zivilgesellschaft in Rheinland-Pfalz. Damit auch das Ehrenamt auf der Höhe der Zeit bleibt!

Was ist mit dem digitalen Ehrenamt eigentlich gemeint?

Unter dem Begriff versteht man die Nutzung von Online-Tools im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements. Beispiele hierfür sind:

  • Informationen durch Websites, Blogs oder Newsletter,
  • die Vernetzung mittels Social-Media oder Internet-Foren,
  • Verwendung von Online-Börsen und Fundraising-Plattformen

Digitales Ehrenamt kann auch bedeuten, sich unter Nutzung des Internets gemeinwohlorientiert zu engagieren.

  • für nicht-kommerzielle Seiten wie Wikipedia,
  • in ehrenamtlichen Initiativen wie zum Beispiel Freifunk e.V.,
  • durch die Entwicklung oder Anpassung von Apps zum Einsatz beim ehrenamtlichen Engagement.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in der Broschüre „Digitales Bürgerschaftliches Engagement“.

Weitere Informationen rund um das Thema Ehrenamt in Rheinland-Pfalz finden Sie auf der Homepage www.wir-tun-was.rlp.de

 

 

Ideenwettbewerb "Ehrenamt 4.0"

Digitalisierung kommt häufig abstrakt und technisch daher. Sie kann aber auch sehr konkret und menschlich sein. Um dies zu verdeutlichen, hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer 2017 erstmals einen Ideenwettbewerb unter dem Thema „Ehrenamt 4.0.“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Preisverleihung wurden besonders kreative und moderne Projekte und Personen aus Rheinland-Pfalz geehrt, die die digitalen Möglichkeiten im Ehrenamt bereits nutzen.

„Alle neun Projekte zeigen uns, welche unterschiedlichen Formen und Ansätze es im Bereich Ehrenamt und Digitalisierung gibt und wie vielleicht auch andere Organisationen und Projekte profitieren können“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer anlässlich der Preisverleihung auf dem Ehrenamtstag 2017 in Ingelheim am Rhein.

 

Die Preisträger:

Die Jugendpresse Rheinland-Pfalz e.V., vertreten durch Samuel Grösch und Simon Dörr

Der Verein unterstützt junge Medienmacher wie Schülerzeitungsredakteure und -redakteurinnen durch Beratung und Workshops. Unter anderem gibt er den landeseinheitlichen Jugendpresseausweis heraus, durch den sich die Inhaber und Inhaberinnen als Journalisten ausweisen können. Die Dokumente und Nachweise dafür werden in der eigenen Jugendpresse-Cloud gespeichert und mit einer selbst entwickelten Verwaltungssoftware aufbereitet. Die Mitgliederbetreuung ist inzwischen vollkommen digitalisiert. So wird die Vereinsarbeit erheblich vereinfacht, viel Zeit gespart und die freiwerdenden Ressourcen können in Projekte und Workshops investiert werden.

 Samuel Grösch und Simon Dörr mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer

 

Suni e.V. aus Igel, vertreten durch Barbara Scharfbillig

Suni e.V. ist ein kleiner deutsch-namibischer Verein mit Sitz in Igel in Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit einem namibischen Partner tritt Suni für den interkulturellen Austausch ein und fördert benachteiligte Kinder in der Omaheke-Region in Namibia. Über digitale Medien konnten drei Grafikerinnen gefunden werden, die kostenlos Lernmaterialien für Vorschulkinder erstellten. Eine erste Version eines Malbuchs wurde in Namibia von über 100 Kindern getestet. Die Pädagoginnen aus der Region gaben über eine Facebook-Gruppe Feedback. Die Dokumente wurden über eine Dropbox geteilt. Alle Beteiligten arbeiten komplett ehrenamtlich. Inzwischen beteiligt sich das lokale Bildungsministerium an dem Projekt.

 Barbara Scharfbillig von Suni e.V. mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer

 

Thomas Lehn aus Ingelheim, stellvertretender Vorsitzender der Dialysepatienten Mainz e.V.

Es gibt wenig positive Berichte über die Langzeit-Dialysebehandlung. Dies verunsichert und verängstigt die Menschen, die nicht transplantiert werden können oder wollen. Viele haben gesundheitlich oder räumlich nicht die Möglichkeit, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Thomas Lehn unterhält mehrere eigene Websites zu unterschiedlichen Themen in der Dialyse, mit denen er Betroffene aufklärt, ihnen Mut macht und sie zu selbstbestimmten Patienten berät. Er beantwortet Fragen, versendet Newsletter und plant demnächst eine Selbsthilfe-Online-Plattform.

Thomas Lehn mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer 

 

Projekt „Frohnhofen 4.0 – mein Wissen für dein Wissen“ der Gemeinde Frohnhofen

Die Gemeinde Frohnhofen hatte im Rahmen der Dorfmoderation die Idee, Schulungen zum Thema Computer/digitale Medien für ältere Menschen anzubieten. Qualifizierte ehrenamtliche Kursleiter und -leiterinnen bieten nach den Sommerferien 2017 verschiedene Themen für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Dafür stehen eigens angeschaffte Laptops und die Räumlichkeiten im Bürgerzentrum zur Verfügung. Die Idee ein solches Projekt durchzuführen entstand im Rahmen der Moderation des Dorferneuerungsprozesses. Finanziell unterstützt wird es durch die örtliche Vereinsgemeinschaft. In verschiedenen Arbeitsgruppen wird derzeit an weiteren Projekten zur Dorferneuerung gearbeitet und dabei viel ehrenamtliches Engagement eingebracht.

Vertreter der Gemeinde Frohnhofen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer 

 

Suchtselbsthilfe in Katzenelnbogen

Für ehemals Suchtabhängige gibt es viele kritische Situationen, in denen sie besonders rückfallgefährdet sind. Hier ist es wichtig, sich schnell und niedrigschwellig Hilfe bei erfahrenen Menschen holen zu können. Die Suchtselbsthilfe Katzenelnbogen bietet ihren Gruppenmitgliedern einen Gruppen-Messenger-Dienst auf Grundlage von WhatsApp an. Das akute Rückfallrisiko und die kritische Situation werden sofort besprochen und in der Regel wird der Rückfall so vermieden.

Ehrenämtler der Suchtselbsthilfe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer 

 

Projekt „Froodel“ des Deutsch-Französischen Jugendausschusses, vertreten durch Katharina Reul und Robin Miska

Froodel ist eine digitale Suchmaschine insbesondere für deutsch-französische Akteure, Projekte und Veranstaltungen. Sie bietet Orientierung im Wirrwarr aus unzähligen Organisationen, Ideen und Terminen. Angebot und Nachfrage werden gebündelt und erleichtern eine erste Kontaktaufnahme. Das Projekt spricht besonders junge Interessierte an, die sich nicht langfristig an eine Organisation binden wollen.

Katharina Reul und Robin Miska mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer

 

Projekt „Refugees in Koblenz“ aus Koblenz

Alles begann 2015, als neben dem Zuhause der Gründerin Amelie Kohn in Koblenz-Asterstein eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eröffnet wurde. Über Social Media mobilisiert „Refugees in Koblenz“ ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und -helferinnen, informiert, beantwortet Fragen von Bürgern und Bürgerinnen und nennt konkrete Hilfsmöglichkeiten. Die Kommunikation über unter anderem Facebook und WhatsApp ist schnell und effizient, senkt die Hemmschwelle auch für kleines Engagement und birgt die Chance für die Nutzung eines bisher verborgenen Potentials.

Projekt Refugees in Koblenz

 

Projekt „Ein Herz für Senioren“ des Sophie-Hedwig-Gymnasiums und des Altenheims der Arbeiterwohlfahrt aus Diez

Das Sophie-Hedwig-Gymnasium in Diez kooperiert mit dem Altenheim der dortigen Arbeiterwohlfahrt. Die Schüler und Schülerinnen bieten in der Seniorenresidenz Hilfe beim Umgang mit den digitalen Medien an, zum Beispiel beim Online-Shoppen, beim Einrichten von Mail-Postfächern oder der Bedienung von Handys. Umgekehrt helfen die Senioren und Seniorinnen bei den Hausaufgaben oder kochen Mittagessen. 

Ein Herz für Senioren

 

Naturschutzorganisation Manta Trust, vertreten durch Angela Jensen

Die internationale Naturschutzorganisation Manta Trust hat zum Ziel, Mantarochen zu schützen, ihren Lebensraum zu erhalten und Aufmerksamkeit für die bedrohten Tiere zu gewinnen. Manta Trust hat eine Datenbank entwickelt, in der die Fische anhand ihrer individuellen Zeichnung identifiziert werden können. Dazu senden Amateurtaucher sowie Biologen und Fachkräfte Fotos mit Orts- und Zeitangaben an Manta Trust. Ehrenamtliche aus aller Welt werten die Fotos durch ein einfaches Abgleichsystem digital aus und leisten so einen wichtigen Beitrag in der Erforschung von Migrationswegen und Populationsgrößen.

 

Digitalkongress "Ehrenamt 4.0."

„Ehrenamtliche profitieren von der Digitalisierung und entwickeln sie gleichzeitig. Manche üben ihr Ehrenamt direkt im Netz aus“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Digitalkongress „Ehrenamt 4.0“ am 13.3.2017. Im Mittelpunkt des Kongresses der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz in der Alten Lokhalle in Mainz mit rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand das ehrenamtliche Engagement in Zeiten der Digitalisierung.

„Rheinland-Pfalz ist das Land des Ehrenamts, rund 1,7 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Damit liegen wir bundesweit auf einem Spitzenplatz“, unterstrich Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Dabei spiele auch die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Apps und einfache Software könnten Verwaltungs- und Organisationsarbeit in Vereinen erheblich reduzieren, so dass die Ehrenamtlichen mehr Zeit für ihre aktive Arbeit verwenden könnten.

„Soziale Medien erlauben es beispielsweise Vereinen und Initiativen, ihre Aktionen auch ohne großes Werbebudget einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Am Beispiel von Wikipedia oder Correctio wird klar, dass Ehrenamt auch manchmal im Netz selbst ausgeübt wird“, betonte die Ministerpräsidentin. Gleichzeitig könne auch die Digitalisierung von Ehrenamt und Bürgerengagement profitieren. Es gebe eine Vielzahl von Initiativen, wie die Freifunker, die sich beispielsweise im Bereich Breitbandausbau oder W-LAN-Ausbau engagierten.

Auf dem Programm des Kongresses standen neben den Reden von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Annette Kroeber-Riel, Senior Director Public Policy and Government bei Google Deutschland, eine Best-Practice-Talkrunde und ein Infomarkt. Hier waren zum Beispiel Peter Stey von der Flüchtlingshilfe „United Nackenheim“, Vertreter des Vereins „Freifunk“, des Projekts „Digitale Dörfer“ von Fraunhofer IESE, aber auch einige Start-Ups vertreten. Marvin Brusius stellte eine von ihm entwickelt App für kostenlose Nachhilfesuche und -angebote für Schülerinnen und Schüler vor, die 2015 beim Jugend-Engagement-Wettbewerb Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde. Der Gründer des gemeinnützigen Portals Correctiv, David Schraven, informierte über den aufklärenden Journalismus des Recherchezentrums.

Alle Kongressteilnehmer wurden über Tablets nach ihren Anregungen und Wünschen befragt, die Antworten dokumentiert und sofort ausgewertet. „So wollen wir ergründen, wie wir Vereine und Initiativen im digitalen Ehrenamt unterstützen können. Das ist die Aufgabe meiner Landesregierung“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.