Digitales Sommersemester 2020: „Ein erfolgreicher Kraftakt“



Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Sommersemester 2020 an allen rheinland-pfälzischen Hochschulen als digitales Semester statt. Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf und der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz und Präsident der Universität Trier, Prof. Dr. Michael Jäckel, zogen gemeinsam Bilanz: „Das Sommersemester 2020 war für alle eine Herausforderung. Aber es war ein erfolgreicher Kraftakt der Lehrenden, Studierenden und der Hochschulverwaltungen!“

Innerhalb kürzester Zeit haben die rheinland-pfälzischen Hochschulen im Sommersemester je nach Ausrichtung und Fachrichtung zwischen 80 und 100 Prozent der Lehrveranstaltungen in digitalen Formaten angeboten. Davon ausgenommen blieben Lehrveranstaltungen mit hohem Praxisanteil, beispielsweise in Laboren oder im medizinischen, künstlerischen, musikalischen und sportpraktischen Bereich.

„Corona hat uns alle vor eine große Aufgabe gestellt. Innerhalb kürzester Zeit haben die Hochschulen den Großteil ihrer Lehrveranstaltungen digital umgesetzt. Ich bin beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Einsatz und möchte mich herzlich bei allen Beteiligten bedanken“, so Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf. „Die digitale Infrastruktur hat ihren Praxistest bestanden. Es zeigt, dass wir früh die richtigen Weichenstellungen vorgenommen haben. Nun wollen wir hieran anknüpfen und sie weiter ausbauen. Unser 5,5 Mio. Sofortprogramm ist hier ein erster Schritt.“

"Als die Corona-Pandemie begann, sprachen viele von einem sozialen Experiment, das allen Beteiligten viel Geduld und Ausdauer abverlangen wird. Übertragen auf die Hochschulen würde ich sagen: Die Studierenden haben sehr viel Geduld aufgebracht. Sie haben das digitale Semester akzeptiert, weil es alternativlos war. Aber auch, weil an den Hochschulen schnell reagiert wurde und Veranstaltungsformen entstanden, die nicht oder wenig von ‚aus der Not geboren‘ waren. Es gab zugleich verschiedene Formen akademischer Solidarität: technische Unterstützung, kontinuierliche Beratung, didaktische Tipps. Es hat funktioniert und wir haben eine Menge gelernt. Das hilft. Denn das nächste Semester steht bereits vor der Tür“, ergänzt Prof. Dr. Michael Jäckel, Vorsitzender der Landeshochschulpräsidentenkonferenz.

Bei der Umstellung auf digitale Lehr- und Lernformate konnten die Hochschulen auf vorbereitete Infrastrukturen und blended-learning Konzepte zurückgreifen. Zentral ist hierbei der Virtuelle Campus Rheinland-Pfalz (VCRP), der als Netzwerk- und Serviceeinrichtung aller rheinland-pfälzischen Hochschulen die Grundlage für eine digitale Lehre zur Verfügung stellt. Auch wurden bereits im Rahmen des Hochschulpaktes in den vergangenen Jahren zahlreiche Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt, die nun wesentlich zum Funktionieren beigetragen haben.

Die Statistiken des Virtuellen Campus beziffern die Bilanz des digitalen Semesters eindrücklich: So stieg die Zahl der Nutzenden des Learning Management Systems des VCRP innerhalb weniger Wochen um 5.000 auf fast 108.000 Nutzerinnen und Nutzer landesweit an. Die Anzahl der Videos auf dem Videoserver RLP verfünffachte sich auf über 76.000, die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer verdreifachte sich mit ca. 40.000 neuen Profilen. Dabei stieg der benötigte Speicherplatz des landesweiten Videoservers um 90 Terrabyte im Sommersemester 2020 auf ungefähr 130 Terrabyte an.

"Die bildungstechnologische Infrastruktur ist die Basis für Lernen und Lehren im digitalen Sommersemester. Sie konnte sogar nachhaltig erweitert werden. Letztlich gelingen konnte das Sommersemester jedoch nur durch die Kooperation und das große Engagement aller Hochschulakteure“, erläutert Dr. Konrad Faber, Geschäftsführer des Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz.

Zum weiteren Ausbau der digitalen Lehre hat das Wissenschaftsministerium ein zusätzliches Sofortprogramm mit einem Volumen von 5,5 Mio. Euro auf den Weg gebracht. Fünf Millionen Euro können von den Universitäten und Hochschulen vor Ort für zusätzliche Videoaufzeichnungsgeräte, digitale Medien oder zur Unterstützung der Lehrenden bei der Konzeption und Erstellung digitaler Lehrkonzepte und Kurse genutzt werden. Eine halbe Million Euro wurden für zentrale Maßnahmen zur Verfügung gestellt, um kurzfristig zentrale Server- und Speicherkapazitäten für die hochschulübergreifend bereitgestellte Lehr- und Lernplattform auszubauen sowie eine landesweite Installation für Virtuelle Klassenzimmer oder Videokonferenzen aufzubauen und in die vorhandenen Lernplattformen einzubetten.

Die Hochschulen planen aktuell das kommende Wintersemester 2020/2021 als Hybridsemester durchzuführen bestehend aus einem Mix digitaler und Präsenzveranstaltungen. Abhängig vom Verlauf der Pandemie soll so eine sukzessive Rückkehr zum Campus möglich werden. Aufgrund begrenzter Raumkapazitäten wird ein Großteil der Veranstaltungen weiterhin digital durchgeführt werden. Hierbei sollen jedoch hybride Veranstaltungskonzepte mit einer Mischung aus digitaler und Präsenzlehre sowie synchroner und asynchroner Formate, z. B. Blockseminare, eingesetzt werden. Begleitende Tutorials sollen die Studierenden bei der Nutzung der digitalen Lehre stärker unterstützen. Priorität in der Präsenzlehre sollen insbesondere Erst- und Zweitsemestern sowie Studierenden in der Abschlussphase eingeräumt werden.

„Corona ist allen Lockerungsbestrebungen zum Trotz noch nicht überwunden. Die Größe macht Hochschulen zu potenziellen Hotspots. Es gibt jedoch ein Grundrecht auf Bildung und es gibt ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Beiden Anforderungen müssen wir auch im Wintersemester Rechnung tragen. Mit den Lernerfahrungen des nun zu Ende gehenden Sommersemesters, sind die Hochschulen gut gerüstet für die Herausforderungen des kommenden Semesters“, schließt Prof. Dr. Susanne Weissman, Präsidentin der Hochschule Mainz.

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